18.08.2018
Landesbischöfin zur anhaltenden Hitze und Trockenheit

„Wohlstandsprogramm ist Gefahr für die Menschheit“

Die anhaltende Hitze und Trockenheit führt auch im Gebiet der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zu dramatischen Auswirkungen. Landesbischöfin Ilse Junkermann ruft dazu auf, diese Zeichen des Klimawandels ernst zu nehmen und unser grenzenloses Handeln zugunsten einer „Ethik des Genug“ zu ändern. In diesen Tagen werde deutlich, dass Regen kein „schlechtes Wetter“ ist, sondern für alle Geschöpfe elementar notwendig. Innerhalb der EKM nehmen Wald- und Feldbrände zu, Land- und Forstwirte haben extreme Einbußen, in einigen Regionen wird das Trinkwasser knapp, mit hohen wirtschaftlichen Belastungen ist zu rechnen.

„Während der Klimawandel in anderen Teilen der Welt längst zur Überlebensfrage geworden ist, spüren nun auch wir immer öfter seine besorgniserregenden Auswirkungen. Aber weiterhin scheint vielen von uns nicht klar zu sein, wie sehr gerade wir in den reichen Ländern Verursacher dieses Klimawandels sind, und dass nur wir selbst etwas dagegen tun können“, betont Ilse Junkermann. „Tun wir etwas? Besser gesagt: Lassen wir etwas – sind wir überhaupt noch bereit, zu verzichten? Auf Flugreisen, auf Autofahrten, auf Konsumgüter, auf Ernährungsgewohnheiten? Sind wir bereit unseren Lebensstandard auf ein Maß zu reduzieren, das dem Planeten zumutbar ist – oder wollen wir immer noch mehr?“

Ihr Appell: „Es wird höchste Zeit, diese für viele Menschen schon heute katastrophale Entwicklung zu stoppen, die wir mit unserem grenzenlosen Handeln anrichten. Unser Wohlstandsprogramm, immer mehr und noch mehr haben zu wollen, ist zur Gefahr für die Menschheit geworden. Nur mit einer ,Ethik des Genug‘ können wir den zunehmenden Problemen begegnen“.

Wichtig findet sie es auch, Denkweisen zu überprüfen. Regen gelte für viele Menschen als schlechtes Wetter, im Wetterbericht werde Sonnenschein freudig begrüßt und Regen negativ bewertet. „Das zeigt, wie wenig verbunden wir mit dem Kreislauf der Natur sind, wie wenig verwurzelt mit der Erde und wie egoistisch in unseren Ansprüchen. Mit den Bauern warten wir auf Regen und beten dafür“, so die Landesbischöfin. „Nur wenn wir wieder lernen, uns mit unserer Umwelt verbunden zu fühlen, wenn wir nicht nur unsere Bedürfnisse im Blick haben sondern das große Ganze, dann werden wir immer extremeren Wetterlagen vorbeugen können“, betont Ilse Junkermann.

Als „ganz dramatische Situation“ bezeichnet Sigrun Höhne, Beauftragte der EKM für den Dienst auf dem Land, die derzeitige Wetterlage. Innerhalb der EKM sei es zu zahlreichen Feldbränden gekommen, eine weggeworfene Zigarette oder ein Funken der Landtechnik reiche als Auslöser. Dazu kommen die extremen Ernteausfälle mit hohen wirtschaftlichen Einbußen für die Landwirte. „Solch eine Dürre ähnelt zumindest in den ökonomischen Auswirkungen der Dramatik von Hochwasser“, schätzt sie ein.

Auch für die Forstwirtschaft hat das Wetter fatale Folgen. „Es gab noch nie so viele Wetterextreme mit enormen Schäden wie in den letzten Jahren“, konstatiert Susann Biehl, Forstreferentin der EKM. Gerade hat sie den bisher größten Waldbrand im Kirchenwald der EKM erlebt, etwa vier Hektar in Brandenburg waren betroffen. Zur Waldbrandgefahr kommen Schäden durch Stürme, der Ausfall jung gepflanzter Bäume durch Trockenheit, die Massenvermehrung von Schadinsekten und der Trockenstress für die Bäume.

„Die Lage ist bedrohlich“, heißt es in einer Erklärung des deutschen Forstwirtschaftsrates, die von Susann Biehl mit initiiert wurde.

„Wetterextreme wie Stürme, Hitzejahre und Trockenperioden treten in einer Häufigkeit und Intensität auf, die in der Geschichte der Forstwirtschaft in Deutschland einzigartig sind. Die nachhaltige Erzeugung des volkswirtschaftlich unverzichtbaren heimischen Rohstoffes Holz steht auf dem Spiel“, so die Forstwirtschaftler. „Die Waldbesitzer müssen in einem in der Öffentlichkeit nicht bekannten Ausmaß mit den Folgen des Klimawandels umgehen. Ob Lawinenschutz im Gebirge, Trinkwasserschutz und Luftreinigung oder Erholung und Gesundheit im Wald, diese heute selbstverständlichen und kostenfreien Funktionen der Wälder können ohne Gegensteuern nicht erhalten werden“, heißt es weiter.