11.05.2024
Gedanken zur Woche - Hör mal, wer da spricht

Der letzte Sonntag vor Pfingsten heißt „Exaudi“. Das bedeutet jetzt nicht, dass die Autofirma Audi vor dem „Aus“ steht. Aber der Sonntagsname im Kirchenjahr kann daran erinnern, dass diese Automarke nach dem Firmengründer August Horch benannt ist. Dieser hat, einer gewissen Tradition folgend, seinen Namen sehr klangvoll ins Lateinische übertragen. Audi heißt ‚Hören’ oder eben auch ‚Horchen’.

Der Komponist Igor Stravinsky hat in seiner „Psalmensinfonie“ dieses „Hören“ sehr eindrucksvoll verarbeitet. Die „Psalmen“ sind Gebete des Volkes Israel, entstanden in alttestamentlicher Zeit in allen Lebenslagen. In der Sinfonie verwendet Stravinsky Zitate aus drei solcher Psalmen, von denen das „Exaudi“ den ersten Teil bildet und in diesem Zusammenhang „Höre mich“ bedeutet.

„Höre mein Gebet, Herr, und vernimm mein Flehen. Schweige nicht zu meinen Tränen. Der ich ein Gast bin bei Dir und ein Fremdling wie alle meine Väter, lass ab von mir, dass ich mich erhole, bevor ich dahinfahre und nicht mehr bin.“

In was für einer Bedrängnis mag der Beter dieser Psalmverse sich befunden haben? Es ist gut, wenn man einen Zuhörer hat. In diesem Falle ist es eine höhere Instanz.

Eine solche, die den Weltenlauf in ihrer Hand hält, unabhängig von menschlichen Bestrebungen, die es immer wieder gegeben hat, welche die Welt in paradiesische Zustände versetzen wollen und die Rechnung ohne den Wirt machen. Der Wirt, das ist der Schöpfer dieser Welt, welcher die Menschheit nicht ihren Irrtümern und den Folgen überlässt.

Eine tröstliche Zusage in Zeiten Allgemeiner Verunsicherung angesichts solcher Begriffe und Wortschöpfungen wie Transformation, Dekarbonisierung, Klimaneutralität, Sondervermögen usw..

Die Weltgeschichte ist kein Experiment mit alternativlosem Ausgang, sie hat ein Ziel. Es geht tatsächlich letzten Endes um Macht. Wer behält das Feld? Woher weiß der Mensch von einer solchen Macht? Schlag nach im meistverbreiteten, meistübersetzten und meistgeschmähten Buch der Weltliteratur: der Bibel.

Übrigens:

Der erste „Klimabericht“ der Weltgeschichte ist in der „Genesis“ (erstes Buch der Bibel) herausgegeben:

„Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht...“ --- Man könnte ergänzen ‚...Warmzeit und Kaltzeit’.

Und der biblischen Logik folgend:
Wenn (nicht menschgemacht) der neue Himmel und die neue Erde geschaffen werden (s. Offenbarung, letztes Buch der Bibel), spätestens dann hat sich die Klimarettung von selbst erledigt.

In Politik und Gesellschaft leuchtet manchmal hellsichtig und in pragmatischer Weise die Einsicht durch, dass der Mensch nicht alles im Griff hat. Dazu einige Zitate:

Otto von Bismarck (von 1871 bis 1890 deutscher Reichskanzler):
„Was sind unsere Staaten und ihre Macht und Ehre vor Gott anderes als Ameisenhaufen und Bienenstöcke, die der Huf eines Ochsen zertritt oder das Geschick in Gestalt eines Honigbauern ereilt.“

Sebastian Haffner, Publizist und Schriftsteller (1907-1999):
„Ein Krieg zur Beendigung aller Kriege liegt in der Logik der Menschheitssituation. Ein Weltstaat als Ergebnis eines erfolgreichen Welteroberungskrieges scheint das einzige Mittel zu sein, den Krieg als Einrichtung abzuschaffen ...“ (sinngemäß)

Gustav Heinemann (von 1969 bis 1974 Bundespräsident der BRD):
„Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt.“

Aber bis es soweit ist, können wir noch viel Gutes tun ...und Augen und Ohren offenhalten!

Thomas Brandt (Oberweißbach), Kirchenmusiker