Umschalten

Ufer - Foto: Matthias Pihan

Barbara Fischer | 23.07.2022

Liebe Leserinnen und Leser,

wie praktisch, dass man beim Fernsehen einfach umschalten kann, wenn einem das Programm eines Senders gerade nicht gefällt. Einfach die Fernbedienung nehmen und schwups, schon sieht man etwas anderes. Das vorherige Programm braucht einen nicht mehr zu interessieren.

Im Leben ist das schon schwieriger. Das Leben hat sozusagen viele Programme. Oft muss man umschalten, weil gerade etwas wichtig ist, sich in den Vordergrund drängt, egal ob man darauf Lust hat oder ob es einen interessiert. Und das vorherige Programm beschäftigt mich auch noch. Aber es hilft nichts, ich muss umschalten.

Ich komme aus dem Urlaub, noch voller toller Eindrücke, aber zu Hause warten Pflichten, die sich nicht aufschieben lassen- also umschalten. Eigentlich würde ich gern in aller Ruhe das Wochenende genießen, aber jemand braucht meine Hilfe, mein Zuhören, mein Anpacken, da schalte ich eben um und widme mich dem- oder derjenigen. Gerade habe ich mich so richtig geärgert, da komme ich in eine Situation, in der alles andere gebraucht wird als dass ich von der dicken Laus erzähle, die mir gerade über die Leber gelaufen ist. Ich hole dreimal tief Luft und schalte um. Immer wieder schalten wir um, wenn und weil etwas anderes einfach dran ist. Die Rückkehr zum vorherigen Programm, die wir uns vielleicht fest vorgenommen haben, weil da noch etwas offen ist, gelingt nicht immer. Manches bleibt lange oder für immer offen.

Das Leben hat viele Programme, es ist ein bisschen wie Fernsehen, aber doch auch ganz anders. Das Umschalten ist oft schwierig, weil uns das Vorherige noch beschäftigt, aber das Neue fordert schon die ganze Aufmerksamkeit, wenn wir diesem und einander gerecht werden wollen. Man ist noch nicht fertig mit dem einen, da kommt schon das nächste. Da fühlt man sich manchmal zerrissen. Und wir möchten doch heil und ganz sein, das ist oft unsere Sehnsucht. Ich glaube, diese Sehnsucht kennen wir alle. Sie wird sicher nie ganz erfüllt werden, es wird immer wieder Stellen geben, an denen das Leben holpert und stolpert. An denen sich sozusagen die Programme überschneiden. Ich möchte an ein altes Gebet erinnern, das sicher viele von ihnen kennen: "Herr, gib mit die Gelassenheit, Dinge hinzunehemen die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." Das könnte helfen beim Umschalten innerhalb der vielen Programme des Lebens. Beim Ganzsein und Heilwerden. So könnte es gehen mit der Fernbedienung. Dabei wünsche ich uns allen gelingende Versuche und die Erfahrung dass Umschalten nicht nur anstrengend ist.

Herzlich grüßt sie ihre Pastorin i.R. Barbara Fischer aus Saalfeld
Ufer - Foto: Matthias Pihan



Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.
Psalm 90,4 Lukas 1,50

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