Wort zum Sonntag 30.01.2022

Berg Sinai - Foto: Pixabay

Diakonin Christiane Wehr | 29.01.2022

"Haste DEN denn schon gesehen?"

"Ich glaube nur, was ich sehe."

Immer wieder trifft mich diese Frage und diese Aussage, wenn es um Gott geht.
Mal kommt dies durch andere Menschen an mich heran, manchmal sind es eigene Gedanken.

Als Mose vom Berg Sinai stieg, um den Volk zum zweiten Mal die Gesetzes-Tafeln zu übergeben, glänzte seine Haut so sehr, dass alle Israeliten sich fürchteten und selbst sein engster Vertrauter, Aaron nicht wagte, sich ihm zu nähern. Mose musste sie zu sich rufen, damit sie ihre Furcht los warden und legte fortan eine Decke auf sein Haupt, wenn er mit dem Volk sprach. Der Glanz Gottes, der durch Mose strahlte, war schlicht nicht zu ertragen. Nur im Inneren der Stiftshütte im Gebet vor Gott, nahm er die Decke wieder ab.

Was hat ihn so strahlend gemacht?

Mose hat ein sehr inniges und tiefgründiges Gespräch mit Gott geführt. Mit ihm gerungen, um Vergebung gebeten für den Götzendienst, den das Volk begangen hatte. Es hatte sich ein goldenes glänzendes) Kalb gemacht, weil es nicht warten konnte bis Mose, der Vermittler Gottes, wieder vom Berg herabstieg. Er hat dabei sein eigenes Leben in die Waagschale geworfen, obwohl er von Gott das Versprechen hatte, dass aus ihm ein großes Volk werden würde.

Und Gott war gnädig. Er erhörte Mose und zeigte seine Barmherzigkeit, indem er ihnen ihre Sünden vergab.

Die Barmherzigkeit Gottes ist es, die Mose als Vermittler so glänzen lässt.Mose, der sich selbstlos und aufopferungsvoll für das Überleben des Volkes eingesetzt hatte, den hat Gott als Heilsmittler eingesetzt. Mit seinem verklärten, glänzenden Antlitz soll Mose eine gütige, eine schonende Form der Gottesnähe verkörpern, in der auch der Sünder auf Vergebung hoffen darf. Solange sich das Volk an Mose und seine Botschaft erinnert, darf es sich der Treue Gottes zu seinem erneuerten Bund gewiss sein.

Dieses Bild von Mose steht uns eher selten vor Augen. Wir denken bei Mose zuerst an Joh.1,17 "Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden." Moses Rolle beschränkt sich also nicht nur auf die des Gesetzgebers, sondern er vermittelt auch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Zum Teil ist er ein echter Vorläufer von Jesus Christus. Auch er war in der unmittelbaren Nähe Gottes. Auf seinen Wunsch hin Gott zu sehen, ist Gott mit schützender Hand an ihm vorbeigezogen. Er konnte Gott nicht ins Angesicht sehen, aber er konnte ihm nachschauen. So wie wir ja auch oft erst im Nachhinein erkennen, "Ja, da war Gott bei mir - da hat er mich beschützt."

Aber mehr noch als Mose, steht Jesus einerseits auf der Seite Gottes, er ist der Gesandte Gottes. Andererseits solidarisiert er sich wie jener mit den Menschen, gerade mit den schwachen, kranken, ausgestoßenen und sündigen Menschen in Israel, welche er heilt. Darüber hinaus auch mit allen Menschen, die ihn um Hilfe oder Vergebung bitten. Ich denke dabei an seinen Umgang mit den Aussätzigen, den Zöllnern, der Ehebrecherin oder den Hauptmann von Kapernaum (Mt 8,5-13).

Wie Mose tritt Jesus fürbittend für die ihm anvertrauten Menschen ein, z.B. für seine Jünger im hohenpriesterlichen Gebet (Joh. 17, 9-19) und dann für uns alle im Endgericht. Jesus opfert sich für uns Menschen auf, nimmt stellvertretend in seinem Tod unsere Sünde auf sich, damit wir überleben können. Noch mehr als im Glänzen Moses lässt Gott in der Auferstehung Jesu seine Liebe und Treue zu uns Menschen im Neuen Bund erstrahlen, weil er mit uns Gemeinschaft haben will, auch über die Todesgrenze hinaus.

Nachdem Gott seinem Volk immer wieder Mittler gesandt hat, um die zerbrochene Gottesbeziehung zu heilen, hat er die Mittlerrolle am Ende selbst auf sich genommen und ist uns in Jesus Christus selber Heilsmittler geworden. Wir können uns auf ihn verlassen und unsere Hoffnung richten, auch dann, wenn wir seine Macht und Größe als Schöpfer des Universums und Herrn der Geschichte kaum ertragen können und nicht verstehen. Und Jesus sagt später selbst zu seinen Jüngern: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!" (Joh. 20,21)

Von unserem Heilsmittler Jesus Christus werden wir alle als kleine Mittler in die Welt gesandt, ihr die Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft Gottes zu bezeugen.

Der Film vom "Kleinen Lord" , der oft um die Weihnachtszeit gesendet wird, führt uns vor Augen, wie ein kleiner Junge mit seinem strahlenden Kindergesicht das Misstrauen, die Härte, den Dünkel und die Einsamkeit seines Großvaters hinweg schmelzen lässt. Dadurch wird er wieder zu einem sozialen, barmherzigen und versöhnungsbereiten Wesen.

Auch das strahlende Angesicht eines Erwachsenen kann im Konfliktfall dem Gegenüber etwas von der Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft Gottes vermitteln.

Die Fürbitte (Mt. 5,44) besonders für unsere Feinde hat eine entfeindende und solidarisierende Kraft.

Sie öffnet den Zugang zu Gottes gütigem Herzen. Vorsicht! Gottes versöhnende Barmherzigkeit ist ansteckend.

Sie wischt Kränkungen und Rechthaberei hinweg und macht uns zu Vergebung und Versöhnung bereit.

Mose hatte, als er von Gott herniederstieg, seinen Konflikt mit dem Volk schlichtweg vergessen. Das ist doch was Ausstrahlendes!!
Berg Sinai - Foto: Pixabay



Des HERRN Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus. Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.
Jesaja 28,29 Epheser 2,17

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