Andacht zur Jahreslosung 2020

Landschaft - Foto: Sabine Wegner

Suptur | 13.01.2020

"Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" (Markus 9,24)

Liebe Gemeinde, dieser Satz ist eine treffende Beschreibung des politischen und persönlichen Gemütszustandes mitten unter uns. "Ja, was denn nun!", möchte ich manchmal rufen, "Entscheide dich!" Glaube oder Unglaube, ganz oder gar nicht, JA oder NEIN. So ist das Leben nicht und so denken und entscheiden wir selten. Eindeutigkeit ist nicht unserer Stärke. Zu viele Wenn und Aber und zu wenig Entschiedenheit und Konsequenz. Unsere Jahreslosung nimmt diese aktuelle Zustandsbeschreibung auf. Sie hält uns den Spiegel vor und macht ein Angebot: Du bist nicht allein mit deiner inneren Zerrissenheit und deinen Zweifeln. Auch wenn du zögerst dich klar zu entscheiden hast du Jesus Christus auf deiner Seite! Der Satz stammt aus einer Heilungsgeschichte im Markusevangelium. Äußere Dramatik ergibt sich durch schwere unheilbare Krankheit eines Kindes. Der Vater ist verzweifelt hin und her gerissen zwischen Hoffen und Bangen, zwischen seinem Glauben-wollen, seinem Unglauben und dem dennoch-Glauben. Damit wird Jesus konfrontiert. Davon sind wir immer wieder betroffen: Unfaire, willkürliche Situationen, die uns Schmerz zufügen und denen wir ausgeliefert scheinen. Menschen erleben die Niederungen und Komplikationen des täglichen Lebens, die dem lebendigen Glauben im Weg stehen. Die Jahreslosung sucht nach neuer Verwurzelung. Sie ist ein ehrlicher Hilferuf. So steht auch in unseren Kirchengemeinden am Jahresanfang lebendige Beziehung. Wir verschweigen nicht die Probleme, suchen nach Verbundenheit und öffnen uns damit für Antworten Gottes. Mögen wir über das Jahr im Gespräch bleiben als Schwestern und Brüder - ernsthaft suchend, emotional, ehrlich und beziehungsinteressiert… aber nicht entscheidungsarm. Wir wollen glauben und haben uns für einen gemeinsamen Weg entschieden. Manchmal sucht uns natürlich die Versuchung heim… Das wundert nicht. Unsere Erfahrung: Im Glauben - Zweifel. Wie weiter? Im Zweifel: Glauben.

Christina Weigel
- Pfarrerin -
Landschaft - Foto: Sabine Wegner



Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt. Selig ist, wer Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.
Psalm 116,10 Jakobus 1,12

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