Neujahr

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Suptur | 05.01.2018

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offb. 21,6

Die Sylvesternacht teilt die Zeit der heiligen zwölf Nächte. Die Tage und Nächte zwischen Heiligabend und dem Fest der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus haben unseren Vorfahren viel bedeutet. Es war für sie eine Zeit der Unterbrechung. Unterbrechung ihres Alltags. Niemand sollte ernsthafte Arbeit verrichten. Wäsche durfte nicht gewaschen werden.

Auch wir brauchen solche Momente. Sie ragen wie Inseln aus dem Meer unserer Zeit hervor. Sie sind Orte an denen wir Zuflucht finden. Innehalten und uns umsehen. Auf das was war, das was ist und das was uns erwartet.

Wir brauchen solche Momente weil unser Leben sonst in einer Gleichförmigkeit erstarrt die uns erschauern lassen würde.

Im Zusammenhang der Schöpfung wird uns der erste regelmäßige Feiertag der Weltgeschichte geschenkt. Unser Sonntag, das christliche Pendant zum jüdischen Sabbat, nimmt uns jede Woche heraus aus unserer Arbeit und lässt uns erinnern, das Gott es ist, der uns das Leben schenkt und der uns trägt und behütet.

Unsere Feiertage als Zeitorte immer wieder neu zu entdecken, mit unseren Familien zu begehen, gibt unserem Leben Struktur im Fluss der Zeit.

"Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst."

Die Losung für das Jahr 2018 aus der Offenbarung des Johannes schlägt einen Bogen von der Schöpfung zum kommenden Reich Gottes. Unsere Bibel schließt mit dieser Zusage Gottes, dass er es sein wird, der den Weg zum Wasser des Lebens öffnen wird.

Der Sinn unseres Innehaltens an den Zeitorten unseres Lebens ist genau, diese Quellen des lebendigen Wassers zu finden. Gottes Wort zu folgen, ihm nachzudenken.

Vielleicht sind sie irgendwann einmal bei einem Wald- und Wiesenspaziergang einer Quelle begegnet. Manchmal weiß man nicht ob es nur ein schmaler Bachlauf ist oder ob das Wasser aus der Tiefe kommt. Vielleicht gehen wir zu achtlos an solchen Quellen vorbei, wenn sie unseren Lebensweg kreuzen.

Quellen haben ihren Ort. In der Jahreslosung wird dem Durstigen Wasser verheißen.

Sind wir durstig. Wir haben die geringste Arbeitslosigkeit, seit über 70 Jahren Frieden, uns geht es gut. Ganz ungeachtet dessen, wie es den übrigen Menschen auf Gottes Erde geht. Ohne zu vergleichen. Es geht uns objektiv gut. Und doch sind wir unzufrieden wie nie. Eher Wutbürger statt Versöhnungsbringer.

Ich glaube, das ist nicht der Durst den die Bibel meint. "Seelig sind die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden."So sagt es Jesus Christus in der Bergpredigt.

Das ist etwas Anderes. Etwas Größeres, dass über uns hinausreicht. Das uns gleichzeitig trägt und umfängt.

Ein Durst, der nach Gerechtigkeit fragt, der seinen Wert nicht in der Abwertung der Anderen begreift.

Dieser Durst lässt uns Ausschau halten nach den Orten der Quelle, die Gott verspricht.

Quellen haben Orte. Sie gilt es zu finden, so wie wir in unserem Leben die Zeitorte finden müssen, die unser Leben erst lebenswert machen.

Unsere Kirchen können solche Orte sein. Orte eines lebendigen Hörens aufeinander und auf Gottes Wort. Orte des Nachdenkens, des Betens. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, er brauche seine Kirche. Mit Ihrem Raum der unsere Seele umfängt. Mit dem Anblick der betenden Menschen. Mit dem Klang der heiligen Lieder.

Mir geht es ebenso. Unsere Kirchen lassen meine Sehnsucht neu leben. Meine Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Geborgenheit. Das sich erfüllt wie es die Offenbarung des Johannes beschreibt: "…und Gott wird abwischen alle Tränen…"

Es ist gut, dass es den Sonntag und unsere Feiertage gibt. Es ist gut, das es Orte des lebendigen Wassers gibt. Und es ist gut, dass es immer Menschen gibt, die hier zusammenfinden in seinem Geist.

Uns allen ein gesegnetes Jahr 2018

Ihr Michael Wegner

AMEN
Neujahr



Der HERR wird sein Volk segnen mit Frieden. Gott hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alles.
Psalm 29,11 Apostelgeschichte 10,36

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