Der Rottenbacher Altar von 1498

Die Saalfelder Werkstatt des damals weit bekannten Künstlers Valentin Lendenstreich (in Saalfeld von 1488-1506) war - wie weitere Saalfelder Werkstätten - außerordentlich produktiv. Er beschäftigte Gehilfen und Meister von sehr unterschiedlicher Herkunft und Eigenart. Lendenstreich stammte wohl aus Nürnberg und kann Riemenschneider zugeordnet werden Mit der Reforma­tion brach die Nachfrage nach Schnitzaltären allgemein ab.

Der Rottenbacher Altar ist eine Auftragsarbeit der Kirchgemeinde Rottenbach.. Die biblischen Darstellungen und die Auswahl der Heiligen haben ihre Bedeu­tung im christlichen Glauben unserer Vorfahren. Ihnen war wichtig: Gottes ewiges Wort nimmt in Jesus von Nazareth menschliche Gestalt an und kommt in unseren Lebensbereich. Das ist die Lebensbotschaft, der alles auf unserem Altar zugeordnet ist.

Für unsere Vorfahren war dieser wert­volle Altar das Lesebuch, denn lesen und schreiben konnte damals kaum jemand.

Man kannte die Geburt Jesu. Man wusste um die Lebensgeschichten der Heiligen. Man konnte sie, - nach damaliger Auffassung, - um Rat und Hilfe bitten. Man verband mit ihnen wichtige Stationen des Lebens und des bäuerlichen Alltages. Davon erzählt unser Altar.

Eng miteinander verbunden sind auf der Vorderansicht unseres Altares die Ankündigung der Geburt Jesu an Maria, ihr Lobgesang - (auf den klei­nen Tafeln zu sehen), das große Kreuz über dem Altar und darunter das Tuch der Hlg. Veronika (in Turin)mit dem Schweißabdruck Jesu auf seinem Weg zum Kreuz, gehalten von zwei Engeln.

Leben und Tod, die beiden Eckpunkte unseres Lebens, - einbezogen in Gottes Wort, - geben unserem Leben Sinn und Ziel. So sehen wir auf der linken großen Tafel Jacobus den Jüngeren, ein Jünger Jesu, mit einer Bibel dargestellt - als Ausdruck der Glaubenstreue. Die Verkündigung des Gotteswortes war ihm wichtig - in Galiläa und Kleinasien. Vor ihm steht eine Walkerstange (sieht aus wie ein großer Geigenbogen), eine Art Keule, ein Arbeitsgerät der Tuchmacher. Sie verweist auf seine Hinrichtung um seines Glaubens willen im Jahre 62 n.Chr. Gottes Wort und das Leben daraus ist wohl unseren Vorfahren sehr wichtig gewesen.

Neben ihm steht die Heilige Dorothea, die um 300 n.Chr. wegen ihres Glau­bens mit dem Schwert hingerichtet wurde. Sie ist mit einem Blumenkörbchen, das ihr von einem Kind gereicht wird, und einer Rose dargestellt (Anspielung auf ihr Bekenntnis zum Blumengarten Gölte). Sie gilt als die Schutzpatronin der Gärtner, der Brautpaare und aller werdenden Mütter.

Auf der rechten Tafel sehen wir den Christusträger Christophorus. Er hat Menschen über einen Fluß getragen, eines Tages ein Kind, das immer schwerer wurde und ihn in die Knie zwang. Dieses Kind war Christus, zu dem er sich bekehrte. Um 250 ist er um seines Glaubens willen gestorben. Ein Sprichwort sagt: "Wenn man am Morgen ein Christophorus-Bild betrachtet, sei man ge­schützt bis zum Abend."

Christophorus gilt als der Schutzpatron der Pilger, Reisenden und Fuhrleute, -heute der Autofahrer! Gärtner und Landwirte erbitten den Christophorus-Segen gegen Unwetter, Hagel und Hungersnot. Zum anderen ist Christophorus ein guter Begleiter in Gottes ewige Welt.

Neben ihm ist der Heilige Urban dargestellt, ein Papst mit Tiara, Kreuzstab und Lederhandschuhen. Er ist als das Oberhaupt der Kirche, als Nachfolger des Simon Petrus in Rom, zu achten. Um 230 starb er den Märtyrertod, In seiner linken Hand hält er eine Weintraube. Er gilt als der Schutzpatron der Winzer. Man bittet ihn um gutes Wetter und eine reiche Weinlese. Die Bezeichnung "Am Weinberg" in Rottenbach erinnert an den früheren Weinanbau.

Der geöffnete Altar:

Auf der linken Tafel ist die Geburt Jesu dargestellt. Das Kind liegt auf dem Gewand der Maria, - nicht in einer Krippe. Vor dem Kind kniet Josef mit einer brennenden Kerze. Ochs und Esel sehen zu.

Die Ankündigung der Geburt Jesu von der Vorderseite des Altares ist Wirklich­keit geworden. Über diesem Bild musizieren 3 Engel zum Lobe Gottes.

Auf der rechten Tafel ist die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland zu

sehen. Sie werden häufig als Könige (im übertragenen Sinn) dargestellt. Sie brin­gen ihre Gaben dar. Der älteste König kniet vor dem Kind und hat seine Krone aus Ehrfurcht abgelegt. Die Weisen aus dem Mor­genland waren die ersten, die das Kind in der Krippe such­ten und es verehrten. Sie folgten dem Stern von von Bethlehem (auf dem kleinen Bild oben rechts zu sehen), der ihnen den Weg wies.

Die Geburt Jesu gilt allen Menschen auf dieser Erde, - gleich welcher Haut­farbe. Dafür steht der schwarze König. Unsere Vorfahren lasen aus diesem Bild für sich: Gott begleitet uns auf unserem Lebensweg.

In der Mitte unseres Altares fällt die große Figur der Maria mit dem Christuskind ins Auge. Als Mutter des Gottessohnes gebührt ihr unser Dank, -deshalb die reiche Ausstattung mit Gold und einer Krone. In der rechten Hand hält sie ihr Zepter als Himmelskönigin. Sie steht auf einer Mondsichel. Das ist eine Anspielung auf die Endzeit, in der die Himmelkönigin das endzeitliche Geschehen bestimmen wird( Offenbarung 12,1). In der anderen Hand hält sie den Gottessohn. In der unken Hand des Christuskindes sehen wir eine goldene Kugel. Es ist die Weltkugel und bedeutet:

Christus ist der Herr der Welt. Er ist die Erfüllung der alten Verheißungen, In ihm liegt auch unsere Zukunft, - vgl. auch das großes Kreuz über unserem Altar. Unter Jesu ausgebreiteten Armen am Kreuz - hoch über uns - finden wir Frieden mit Gott.

Maria ist von vier Heiligen eingerahmt. Außen links steht Jacobus der Ältere, nach dem auch unsere Kirche benannt ist. Er gehört zu den Lieblingsjüngem Jesu und wurde zu Osten des Jahres 44 n. Chr. mit dem Schwert ermordet. Er hat in Jerusalem und in Samaria gepredigt. Seine Beigaben sind: Bibel (Hinweis auf seine Verkündigung), Hut mit Pilgermuschel (an seinem Heiligtum in Spanien zu finden), Stab und Reisetasche.

Die nach ihm benannte Jacobsmuschel war das Zeichen der Pilger auf dem Jacobsweg zu seinem Grab in Santiago de Compostela (Spanien). Dieser neben Rom und Jerusalem wichtigste Pilgerweg verzweigte sich in Europa weit und führte von Polen kommend auch durch Thüringen.. Stab und Reisetasche weisen Jacobus als Wanderer aus.

Wie er sind wir alle unser Leben lang Wanderer zu unserem Lebensziel. Sein Gedenktag ist der 25. Juli, - früher der Beginn der Kartoffelernte. Er gilt als der Schutzpatron Spaniens und wird als der Schutzheilige von Pilgern, Apothekern und Drogisten verehrt.

Neben ihm steht die Heilige Barbara mit Krone, Kelch und Zweig. Sie gilt als die Patronin der Sterbenden (Kelch für Sterbeabendmahl) und der Bergleute. "Sankt Bärbel, die vermag zu stärken; denn wer in ihren Diensten steht, nie ohne Sakrament von hinnen geht." Von ihrem Vater, einem fanatischen Chris­tenhasser, wurde sie in einen Turm eingemauert. Ein Engel brachte ihr täglich Brot und Wein, so«dass sie überlebte. Im Jahre 306 n. Chr. wurde sie von ihrem Vater mit dem Schwert wegen ihres Glaubens hingerichtet. Doch kaum hatte er das Mordwerkzeug abgelegt, wurde er vom Blitz erschlagen. Werden am Barbaratag (4.12.) Zweige geschnitten, blühen sie zu Weihnachten und gelten als Glückssymbol für das folgende Jahr. Wetterorakel: "Gibt Sankt Barbara Regen, bringt der Sommer wenig Segen." Barbara gilt auch als Nothelferin. Weitere Berufsgruppen verehren sie als Schutzpatronin: Architekten, Dachdecker, Bauarbeiter, Maurer, Zimmerleute, Köche.

Rechts neben Maria ist die Heilige Katharina von Alexandrien zu sehen, eine Königstochter von Cypern. Katharina kam nach ihrer Verlobung mit Christus (das spätere Ritual der Nonnen) nach Rom und bekehrte kaiserliche Philoso­phen und Ritter in großer Zahl. Sie wurde daraufhin um 306 gerädert. Als das Rad zersprang, wurde sie mit dem Schwert enthauptet. Ihre Beigaben sind oft das zersprungene Rad und das Schwert, - auf unserem Altar Krone und Schwert. Ihr Gedenktag ist der 25. November. An diesem Tag endete früher die Weide­zeit und die Schafschur begann. Kathariria gilt als Nothelferin gegen Leiden jeglicher Art, - auch Sprachstörungen. Gebärende haben sie um Hilfe angerufen.

Neben Katharina steht der Heilige Mauritius, - mit Schild, Speer, Brustpanzer. Darüber trägt er ein Gewand, das mit einem Band aus dem gleichen Material über seiner Brust zusammengehalten wird.. Er ist ein schwarzer Offizier einer christlichen afrikanischen Legion. Zwischen 287 und 300 n. Chr. wurde er in St. Moritz/Schweiz um seines Glaubens willen enthauptet. Er gilt als der Patron des Erzbistums Sein Gedenktag ist der 22. September, - der schwarze Mohr - der Beginn der dunklen Jahreszeit.