Lektoren und Prädikanten

Lektoren und Prädikanten im Erfahrungsaustausch

Mehr Unterstützung für Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst

Rudolstadt/Saalfeld. Längst sind Ehrenamtliche aus dem Verkündigungsdienst nicht mehr wegzudenken. Sie sind wie die hauptamtlichen Mitarbeitenden dazu berufen, das Evangelium zu verkünden und so ein lebendiges Beispiel für Martin Luthers "Priestertum aller Gläubigen", einem wichtigen Kerngedanken der Reformation. Vor allem Lektoren und Prädikanten stellen einen spürbaren Gewinn und eine große Bereicherung für die Kirchengemeinden dar.
Sie sind berechtigt, eigenständig Gottesdienste zu leiten. Während Lektoren (Vorleser) eine Lesepredigt zur Verfügung gestellt bekommen, dürfen Prädikanten (Prediger) frei predigen und ordinierte Prädikanten zudem die Sakramente und Kasualien verwalten. Dadurch können, vor allem in den ländlichen Regionen, zusätzliche nachfrageorientierte Angebote geschaffen und deutlich mehr Gottesdienste gefeiert werden.
Die Akzeptanz gegenüber den Ehrenamtlichen ist hoch, auch im Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld. Um sich einen Überblick über deren Arbeit zu verschaffen, hatte Superintendent Michael Wegner zu einem Abendkonvent mit Lektoren und Prädikanten eingeladen.

Neben einem regen Erfahrungsaustausch stand ein Impulsreferat auf dem Programm. Darin machte der Superintendent auf die besonders hohe "Kirchendichte" unserer Region aufmerksam. "Laut Statistiken stehen 20 Prozent aller Kirchen Deutschlands auf dem Boden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Diese zu erhalten und mit Leben zu erfüllen, ist eine große Herausforderung, die nur Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam bewältigen können", so Wegner, der in diesem Zusammenhang auf die territorial gewachsenen Pfarrbereiche verwies.


 Lektorentreffen  Lektorentreffen  Lektorentreffen  

Fotos: Ilka Jost

Auch der Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld kann mit 146 Gotteshäusern einen großen "Kirchenschatz" vorweisen. Derzeit verrichten in den 130 Kirchengemeinden 29 Lektoren und ein Prädikant ihren Dienst. Bedingt durch die Dehnung der Arbeitsbereiche in Folge der Zusammenlegung von Kirchspielen ist die Arbeit der Ehrenamtlichen mehr denn je gefragt. Der Kirchenkreis fördert die Lektoren- und Prädikantenausbildung geeigneter Gemeindemitglieder.

Diesen Weg ist auch Christine Zeuner gegangen. Vor eineinhalb Jahren wurde sie in ihrer Kirchengemeinde Rudolstadt-Volkstedt angesprochen, ob sie sich vorstellen könne, eine Lektorenausbildung zu absolvieren. "Da habe ich erst mal um Bedenkzeit gebeten. So eine Entscheidung sollte man schließlich nicht übers Knie brechen. Unser Pfarrer Reinhard Radecker hat mich schließlich dazu ermutigt, den Schritt zu gehen. Das Gestalten von Gottesdiensten war mir ja nicht neu", berichtet die 34-jährige Verwaltungsfachangestelte, die seit 2012 die organisatorischen Fäden des Weltgebetstages der Frauen in der Hand hält und seit drei Jahren gemeinsam mit Pfarrer Radecker den Gottesdienst zur Osternacht leitet. Kindergottesdienste habe sie bereits früher gehalten und auch zu Weihnachten schon die "Frohe Botschaft" verkündet.

 Lektorin Christine Zeuner Rudolstadt-Volkstedt      

Christine Zeuner, Lektorin aus Rudolstadt-Volkstedt. Foto: Ilka Jost

An fünf Wochenenden drückte die junge Frau die Schulbank, um das nötige Wissen in Sachen Theologie, Kirchenrecht, Gottesdienstablauf, Rhetorik, liturgische Präsenz und Kirchenrecht vermittelt zu bekommen. Neben jeder Menge Theorie stehen natürlich auch Übungsgottesdienste auf dem Plan, die anschließend in der Gruppe ausgewertet werden. Den Abschluss bilden drei Gottesdienste vor versammelter Gemeinde und in Anwesenheit des jeweils zuständigen Pfarrers, was durchaus etwas "Prüfungscharakter" hat. All das hat Christine Zeuner inzwischen hinter sich gelassen und steht sonntags gelegentlich in ihrer Heimatkirche Volkstedt oder im benachbarten Schwarza vor der Gemeinde. Für die Menschen hier sind, vor allem bedingt durch frühere Vakanzeiten, Gottesdienste ohne Pfarrer nicht neu. Deshalb bereichern drei Lektoren auch heute noch das Gemeindeleben. "Man begegnet uns stets mit großer Freude, Achtung und Dankbarkeit", schildert sie ihre Erfahrung im Rahmen des Konvents.

Der Superintendent regte an, über den "Tellerrand" zu blicken und sich auch an anderen Konzepten bzw. Ideen zu orientieren. Als Beispiel, wie ein Gottesdienst ohne Pfarrer funktionieren kann, nannte er die "Gottesdienste in allen Kirchen", die in mehreren Kirchenkreisen Tradition sind. Dabei wird an einem Sonntag im Jahr zeitgleich Gottesdienst gefeiert, gestaltet von Gemeindegliedern. Den Anfang machte der Kirchenkreis Egeln.
Dort wurde auch die Gemeindeagende entwickelt, die Michael Wegner den Lektoren vorstellte. Er selbst war als damaliger Egelner Superintendent daran beteiligt. Die Gemeindeagende umfasst sieben Hefte, in denen für alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres Liturgien abgedruckt sind. Sie sollen vor allem für Lektoren, aber auch für engagierte Gemeindemitglieder als Orientierungshilfe für selbst gestaltete Gottesdienste und Andachten dienen. "Dabei ist es wichtig, dass jeder ein Heft in den Händen hat, weil die Liturgie im Wechsel gesprochen wird. Vorgesehen sind dafür jeweils 30 bis 60 Minuten. Natürlich kann dies auch individuell variieren. Interessierte Lektoren bzw. Kirchengemeinden können sich an die Suptur oder an mich persönlich wenden", "warb" Wegner für die Gemeindeagende.

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Fotos: Ilka Jost

Besprochen wurde auch das Projekt "Offene Kirche", das in einigen Gemeinden bereits erfolgreich praktiziert wird. Weiterhin sorgte das Thema Zentral- und Gemeinschaftsgottesdienste für Diskussionen. In vielen Pfarrbereichen stoßen diese nicht auf die gewünschte Resonanz und die "gastgebende" Gemeinde bleibt oft weitgehend unter sich. Pendeln zum Gottesdienst, das sei vor allem für die älteren Menschen, trotz angebotener Mitfahrgelegenheiten, keine Alternative. Für sie sei der sonntägliche Gottesdienst traditionell mit ihrer Heimatkirche verknüpft, so die Erfahrung einiger Lektoren. Im Pfarrbereich Probstzella, zu dem zehn Predigtstätten gehören, wurde sogar eine "Kirchenbuslinie" eingerichtet, die jedoch nicht angenommen wurde. Weitaus aufgeschlossener und flexibler seien da die jüngeren Gemeindemitglieder. "Ein solcher Prozess muss langsam wachsen, das braucht Geduld und Zeit", spricht Michael Oswald aus Erfahrung. Er hat mit Zentralgottesdiensten ebenso gute Erfahrungen gemacht wie mit einer kleinen Gemeinde: "Beides kann sehr erfüllend und lebendig sein. Bei weniger Besuchern kann man individueller auf die Menschen eingehen und anschließend mit ihnen besser ins Gespräch kommen."

 Lektor Michael Oswald Unterwellenborn      

Lektor Michael Oswald aus Unterwellenborn. Foto: Ilka Jost

Schon als Jugendlicher übernahm er Lesungen und wurde 1989 von der damaligen Pfarrerin bei der Organisation und Gestaltung der Friedensgebete hinzugezogen. Seit zehn Jahren ist er als Lektor "unterwegs". Neben seiner Heimatgemeinde Unterwellenborn, wo er getauft, konfirmiert und getraut wurde, wird er vor allem in Kirchhasel, Kamsdorf und Kaulsdorf eingesetzt. Stets ist er offen für Neues und gern bereit, in weiteren Gemeinden Dienst zu tun. "Mich würde auch mal eine große Stadtkirche reizen, einfach um die Atmosphäre zu spüren, die ja doch eine andere als in einer kleinen Kirche ist", so der 49-Jährige.
Beruflich arbeitet er als kommunaler Bauhofmitarbeiter, sodass sich das Ehrenamt gut mit der Arbeit vereinbaren lässt. Etwas schwieriger wird es nur im Winter, wenn er frühmorgens zum Schneeschieben raus muss. Wenn ein Gottesdienst auf dem Plan steht, ist er jedoch pünktlich zur Stelle. Michael Oswald ist es wichtig, zuvor erst einmal innezuhalten und auch nicht von einer Kirche zur nächsten zu hetzen. Er besorgt sich rechtzeitig die Lesepredigten, die den Lektoren von der Landeskirche zur Verfügung gestellt werden. Fast immer nimmt er noch einige Änderungen bzw. Anpassungen vor: "Die Texte müssen authentisch sein und ich muss mich darin wiederfinden".

Im Zuge der neuen Strukturen seien viele Pfarrbereiche gewachsen und das Kirchspiel Unterwellenborn mit Saalfeld zusammengelegt worden. Trotzdem würden Lektoren meist in Urlaubs- oder Vakanzzeiten eingesetzt. "Wir wollen mehr als Lückenbüßer und Notnägel sein. Ich persönlich würde mir wünschen, dass ein Pfarrer auch mal in der Bank sitzt und man hinterher ein ehrliches Feedback bekommt", so Michael Oswald, der Mitglied im Strukturausschuss der Kreissynode ist. Sehr bedauert er, dass Lektoren nicht berechtigt sind, mit der Gemeinde Abendmahl zu feiern: "Das wäre wirklich ein Gewinn für alle."

Einig ist man sich unter den Lektoren, dass ein Gottesdienst nicht nur vom geistlichen Wort, sondern ebenso von der Musik lebt und Musik aus der "Konserve" eine Notlösung bleiben sollte. Mit haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmusikern ist der Kirchenkreis gut aufgestellt (siehe Beitrag zur Kirchenmusik "Wer singt, betet doppelt"). Das Resümee des Abendkonvents war von allen Seiten positiv und es wurde der Wunsch geäußert, sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch zu treffen. Darüber hinaus sind theologische Gesprächsabende zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen geplant. "Die Veranstaltung hat gezeigt, dass sich in den Gemeinden vieles deckt und die Schwerpunkte und Probleme ähnlich sind. Deshalb können alle von dem Austausch profitieren", ist sich Christine Zeuner sicher.

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Fotos: Ilka Jost

Superintendent Wegner sicherte den Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst mehr Unterstützung von seiten des Kirchenkreises zu. So sollen beispielsweise Mittel für die Lektorenarbeit zur Verfügung gestellt und die Kosten für Fortbildungen, Fahrten, Lehrmittel und Fachliteratur übernommen werden. Zudem solle künftig in Stellenplan für Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst mehr Übersicht bieten und für Vereinfachung des Verwaltungsaufwands sorgen. "Der Blick auf die Verkündigung und Präsenz von unserer Kirche auch in den kleinen Gemeinden des Kirchenkreises macht alle hoffnungsvoll, auf einem gemeinsamen Weg zu sein", so das abschließende Resümee des Superintendenten.

Ilka Jost


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Sprüche 16,3 Philipper 2,13

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