23.05.2026
Pfingstgedanken

Liebe Pfingstgemeinde,

Pfingsten ist ein Fest, das zum Aufbruch drängt. Die Natur, die Menschen, alles ist zu neuer Bewegung erstanden und aufgeblüht. Doch wer weiß noch etwas davon, was es mit Pfingsten wirklich auf sich hat? Pfingsten ist ja ein christliches Fest. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Also der Tag, an dem den ersten Christen gemeinsam aufging, welche Bedeutung Jesus zukam, Ihm, den sie zuvor als tot beklagt hatten. Nun gaben sie von einem Tag auf den anderen – in der Apostelgeschichte heißt es „der Geist kam über sie“ ihre Zurückgezogenheit auf und zogen los, die Welt von Jesus zu überzeugen. Seither gilt der Heilige Geist als Motor der Kirche. Pfingsten also das Fest, das zum Aufbruch befreit.

Am Beginn seines Weges nach Jerusalem stellt Jesus seinen Jüngern die entscheidende Frage: „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ Und Petrus antwortet: „Du bist der Erwartete, der Heiland. Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ – Jesus weiß, dass ein Mensch aus eigener Kraft nicht zu solch einem Bekenntnis kommt. Es ist ein Geschenk des Vaters im Himmel. Das sagt er seinem Jünger und fügt hinzu: Ich nenne dich Petrus, also „Felsen“, „Stein“. Wer mich als den Heiland bekennt, der kann helfen, den Grundstein zu legen zu einer kleinen oder großen Gemeinde. Der kann helfen, den Sieg von Gottes Leben deutlich zu machen. Jeder, dem Gott die Erkenntnis schenkt, dass er sich in seinem Sohn Jesus Christus dieser Welt angenommen hat, ist eine Petrus-Person und hilft, das Reich Gottes auf Erden zu bauen. So tritt an die Stelle der Mächte der Hölle und des Todes die Kraft Gottes und seines Lebens.

Jesus kam in unsere Zeit, er kam in die Gegend unserer Städte und Dörfer. Und er fragte seine Jünger: „Wer sagen die Leute, dass des Menschen Sohn sei?“ Und sie sprachen: „Herr, du bist kaum mehr im Gespräch.“ Die Zeiten des Aufhorchens und der Provokation, des Erschreckens und des Interesses. Die Leute gehen ihrer Arbeit nach und suchen die Zerstreuung vom Alltag. Da sprach Jesus zu ihnen: Wer sagt den ihr, dass ich sei?“ Da antworteten die Jünger und sprachen: „Du bist unser Leben, Herr, unsere Freiheit und Gelassenheit. Du bist ein einmaliges Geschenk an uns Verunsicherte, zu zeigst uns die Richtung in unsere Orientierungslosigkeit. Du bist der Einspruch Gottes gegen die Selbstvergötterung des Menschen. Jesus – dein Name, aufgestiegen in die Herrlichkeit Gottes, umspannt all unser Elend, nimmt es auf in die große Geborgenheit. Christen erfuhren durch das Wort jahrhundertelang, was der Geist für ihr Leben ganz persönlich bedeutet. Ihre Lebensweise und ihre innere Stärke spiegelten wider, was sie durch Jesus Wort verinnerlicht hatten: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge“.

Bis in ein hohes, gesegnetes Alter hinein erfreuten sie sich eines erfüllten, zufriedenen Lebens. Menschen dieser Prägung konnte ich erleben, als ich von 34 Jahren in die Gemeinden Thälendorf und Solsdorf kam. Unsere Kirchen waren gesuchte Orte der Begegnung. Die Dorfbewohner hielten zusammen und achteten aufeinander. Sie ließen ihre Kinder taufen. Das war der Beginn eines Lebens unter Gottes Führung und Schutz. Daraus ergaben sich die Konfirmation und Jahrzehnte später die Jubelkonfirmation. Junge Menschen, die ihren Weg gemeinsam gehen wollten, feierten neben der standesamtlichen auch die kirchliche Trauung. Und sie blieben zusammen in guten und schlechten Zeiten. So waren sie geprägt: Nicht nur die schönen Stunden, sondern auch das schwer zu Tragende miteinander zu teilen. Sie meisterten das Leben mit Mut, Zuversicht und Dankbarkeit. Sie feierten die Goldene und, sofern sie es erlebten, die Diamantene Hochzeit nach 60 Ehejahren. Beim Abschied suchten sie Trost unter Gottes Wort.

Die Zeit ist dahingegangen. Die alt gewordene Generation hat uns weitgehend verlassen. Das Dorfleben hat sich augenfällig verändert. In den heutigen Gottesdiensten findet nur noch eine ganz kleine Zahl zusammen. Doch die Menschen kamen und kommen nicht an Christus vorbei. Auch zwei so grundverschiedene Menschen wie Petrus und Napoleon der Erste nicht. Petrus antwortete mit seinem Bekenntnis auf die Frage, wer Jesus denn sei.

Napoleon schrieb über Jesus Christus: “Dies ist es, was ich am meisten bewundere und was mir die Göttlichkeit Christi unbedingt beweist: Ich selbst habe die Massen zu begeistern vermocht, die für mich in den Tod gingen. Aber doch war meine Gegenwart nötig, der elektrische Funke meines Blicks, meine Stimme, mein Wort … Sicherlich besitze ich das Geheimnis jener magischen Kraft, welche die Menschen hinreißt. Aber ich kann es auf keinen anderen übertragen. Keinem meiner Generäle habe ich es mitteilen können … So war es auch mit Cäsar und Alexander. Im Grunde werden wir vergessen, und der Name eines Eroberers bleibt nur ein Thema für eine Schularbeit. Welche Kluft ist zwischen meinem Elend und dem ewigen Reich Christi, der geliebt, angebetet und gepredigt wird in der ganzen Welt!“
Sie kommen alle an ihm nicht vorbei: An Jesus, dem Christus Gottes. Nicht die Großen und Mächtigen und nicht die Kleinen und Geringen. Aber das Bekenntnis des Petrus will ja auch nicht an Christus vorbei, sondern auf ihn zu führen.

Petrus spricht es aus, wer Jesus für ihn ist: Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Wie kann man das verstehen? Er sei „wahrer Mensch und wahrer Gott“, so hat man es erklärt. Was hätte wohl der bekannte Liedermacher Paul Gerhardt gesagt, der vor über 400 Jahren geboren wurde? Eines seiner ergreifenden Lieder heißt: „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich“. Darin sagt er in starken Worten: „Mein Jesus ist meine Ehre, mein Glanz und schönes Licht.“ Diesen Worten schließe ich mich vollgültig an. Was mein Leben hell macht und wärmt und mir unverzichtbar geworden ist: Das ist für mich JESUS.
Die Sonne als Bild für Christus hat es Paul Gerhardt angetan: „Mein Herz geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ: Das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“ Licht und Sonne, das ist strahlende Freude, leuchtender Trost. Und das kann Jesus für einen Menschen sein: Sonne seines Lebens. Wer davon ergriffen ist, der kann auch mit Überzeugung sagen: Christus, der Sohn Gottes, durch ihn kommt Gott zu mir.

Mit Johannes Jourdan bekennen wir:
„Das ist das Fest, auf das die Völker warten in einer Welt, die voll Zerstörung ist. Herr, wandle du die Welt in deinen Garten, der für uns alle die Erhörung ist. Herr, gib uns deinen Geist, den Geist der Freude. Verändre du die Welt, ja, Herr, noch heute.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Pastorin Elvira Heide
Kirchengemeinden Thälendorf und Solsdorf