28.03.2026
Gedanken zur Woche - Palmsonntag
Hosianna! - Kreuzige Ihn!
Das sind wohl die beiden Rufe, die das Geschehen um das Leiden und Sterben Jesu um-schließen. Da kommt er, der „Superstar“, der durch Worte und Wunder die Massen immer wieder fasziniert. Man ist von Ihm begeistert und dieser triumphale Einzug in Jerusalem auf einem Esel muss wohl schon etwas Besonderes gewesen sein. Vielleicht könnte man dieses Geschehen mit dem Jubel für Prominente auf dem roten Teppich von Cannes oder Venedig vergleichen. Und jeder denkende Profi ist sich wohl auch bewusst, dass dies kein Dauerzu-stand sein wird. Im nächsten Jahr kann ihr Stern vielleicht schon verloschen sein und „Kein Hahn kräht dann noch nach ihnen.“ – Und Ähnliches war wohl Jesus auch bewusst. Da krähte aber dann doch ein Hahn, - ein Hahn, der aber dem Verleugner Petrus ins Gewissen krähte. So schnell kann Begeisterung umschlagen in Ablehnung, Liebe in Hass, heile Welt in Chaos.
„Er ist uns in allem gleichgeworden – außer der Sünde“ – heißt es in der Heiligen Schrift. Und so erleben wir die Osterfeierlichkeiten auch in ihrer ganzen Breite. Da gibt es nicht nur die schönen Augenblicke eines bewundernswerten begeisternden Jesus, sondern auch den Leidensmann, der dann den Tod eines Verbrechers erdulden muss. Zum Glück hat dieses „Drama“ ein gutes Ende – durch Ostern, durch die Auferstehung.
Die österliche Botschaft von der Auferstehung ist eine Sache für den Glauben. Aber auch den Nichtglaubenden könnte die „Ostergeschichte“, bzw. „Passionsgeschichte“, eine Hilfe sein - für das tägliche Leben. – Wie oft rühmen wir uns unserer Sicherheit, unserer Beziehungen, unseres Standes (Vermögens), unserer Gesundheit, unserer Unverletzlichkeit etc. Es ist das „Hosianna“, das unser Leben so lebenswert macht. – Und dann kommt das „Kreuzige ihn“, das Versagen, das Nicht-mehr-gefragtsein, der Verlust des Vermögens, der Freunde, der Beziehungen, des Standes, der Gesundheit etc. Und dann kommt auch der Punkt der Sinnlosigkeit des Lebens. Diesen Verlust wünscht man wohl Niemanden. – Ein Blick in die Welt mit ihren Politikern lässt wohl die Frage aufkommen: Wie sicher sind so manche von ihnen sich eigentlich? Gibt es bei denen nur ein „Hosianna“ - ein Dauerhaftes? Wenn ein Putin z.B. zum Ostergottesdienst geht und dort betet und fromm eine Kerze entzündet, dann müsste man sich fragen: Was hat der denn von diesem Jeus gelernt, der mit dem „Hosianna“ und dem „Kreuzige ihn“ anders umgegangen ist? Und für einen Präsidenten Trump kommt wohl nur ein ewiges „Hosianna“ in Frage? Ein „Kreuzige ihn“ könnte schon eine große Katastrophe werden, für diese und jene. - Der Palmsonntag möchte uns daran erinnern: Es ist zu wenig, zu kurz gedacht – nur Schönwetterchristen zu sein. Jesus war mehr als nur einer, der den Stoff zum Musical „Jesus Christ Superstar“ liefern wollte. Er hat wirklich Höhen und Tiefen durchschritten und uns über den Palmsonntag hinweg zum Osterfest geführt.
Es wünscht Ihnen eine gute vorösterliche Besinnung
Joachim Vockrodt – Pfr. i.R. in Rudolstadt-Schwarza