04.04.2026
Gedanken zur Woche - Ostern
Liebe Leserinnen und Leser,
ich glaube nur, was ich sehe, sagte kürzlich eine Schülerin zu mir. Mit den biblischen Wundern aber auch mit Worten wie „Auferstehung“ oder „ewiges Leben“ könne sie jedenfalls nichts anfangen. Und schon war ich in einer Art Verteidigungshaltung. Die Liebe würde man doch auch nicht sehen – und dennoch ist sie eine stärkende Kraft, so erklärte ich der 14-jährigen. „Von der Liebe bin ich enttäuscht“, entgegnete sie und berichtete, dass ihr Freund sie kürzlich hat sitzen lassen… „Ich glaube nur, was ich sehe“, unterstreicht der Apostel Thomas, nachdem ihm seine Freunde erzählen, dass Jesus auferstanden ist. Er will die Wunden an seinen Händen sehen und seine Finger in die Nägel- Male und in seine Seite legen –„sonst werde ich das nicht glauben“, fügt der „Ungläubige“ hinzu. Acht Tage später liefert Jesus ihm den Beweis und fordert Thomas dazu auf, seine Wunden zu berühren. Tatsächlich ist der Jünger überwältigt und ruft: „Mein Herr und Gott!“ Er ist damit der erste, der erkennt, dass sich in Jesus Himmel und Erde berühren.
Auch heute nennt man einen Skeptiker gern „ungläubigen Thomas“ und befördert Menschen, die es genau wissen wollen, die nachhaken und nachforschen, rasch ins Abseits. Spannend ist wie Jesus mit skeptischen Fragen umgeht. Er nimmt Thomas ernst, verurteilt ihn nicht, fügt aber hinzu: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Man könnte das Wort auch mit „glückselig“ oder „reich beschenkt“ übersetzen. Schon das ist ein Hinweis darauf, dass Glaube ein Geschenk ist. Auch ich bin ein kritischer Mensch und frage nach Beweisen und logischen Erklärungen. Es freut mich, dass Jesus den Zweiflern und Skeptikern nicht ausweicht, sondern ihnen buchstäblich zur Hand geht und sich anfassen lässt.
Der direkte Kontakt mit Gottes Wirklichkeit geht Thomas unter die Haut. Er hat sich nicht abspeisen lassen mit Informationen aus zweiter Hand. Tod und Leid kann man nicht wegwischen und schönreden. Thomas will nicht diskutieren, sondern erfahren. Keine Sätze, wie „Alles wird gut.“ Thomas bohrt nach, möchte die himmlische Kraft spüren und neues Vertrauen schöpfen. Und Jesus zeigt ihm, dass das möglich ist: Osterspuren in der Welt zu entdecken und selbst zu hinterlassen.
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Osterfest!
Bleiben Sie behütet, Ihre Pfarrerin Carmen Ehrlichmann