02.05.2026
Gedanken zur Woche - Kantate
„Tausendmal gehört...“
- kein Schreibfehler vom wohl bekanntesten Titel der Klaus Lage Band.
Es gibt Worte und Töne, die eine geheime Durchschlagskraft haben, wenn es dann plötzlich „Zoom“ macht. Das kann auch mit Liedtexten aus unserem Evangelischen Gesangbuch passieren, welche einen Bezug zum eigenen Leben herstellen.
Der Anfang einer 4. Strophe eines bekannten Liedes von Ämilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt kann Anstoß bei einer Sache geben, welche wohl jeden von uns früher oder später, mehr oder weniger betrifft: Das Leben auch mal vom Ende her zu betrachten und zu gestalten. Bei dem Vers „Hilf mir, mein Haus beizeit’ bestellen...“ (EG 530) kam mir das Erbe meiner Eltern und mein eigener (zukünftiger) Nachlaß in den Sinn. Diese Gedanken lassen einen seitdem nicht mehr los, aber sie beschweren auch nicht unnötig, weil wir wissen, daß alles in Gott aufgehoben ist und er uns bei so mancher Vorsorge nicht allein läßt.
Zum Sonntag „Kantate“ fallen einem spontan Liedtexte von Paul Gerhardt ein, dessen 350. Todestages wir in diesem Jahr gedenken. 28 Lieder von seiner Hand finden wir im Gesangbuch, darunter
„Sollt ich meinem Gott nicht singen“
„Du meine Seele, singe“
„Ich singe dir mit Herz und Mund“.
Manchmal ist eine Liedstrophe wie bei Gerhardt eine Art Predigt. In einer Bearbeitung des Gesangbuch-Liedes EG 148, welches von der Ewigkeit handelt, stolperte ich in der 2. Strophe immer über ein einzelnes Wort, welches jedes Mal falsch bei den Chorproben über die Lippen kam. Da heißt es: „...die Wort’ sind viel zu bloß...“ (um die ‚ewige Schönheit’ zu beschreiben). Statt ‚bloß’ rutschte immer ‚groß’ über die Zunge.
Abgesehen von der dichterischen Schönheit und der Liedmelodie erschloß sich ausgehend von diesem „korrigierten“ Wort der gesamte Liedtext.
Plötzlich begann der Text zu einem zu sprechen. Man kann die Ewigkeit nicht mit ‚großen’ Worten beschreiben, sonst wird Gottes Wirklichkeit mit uns in seiner neuen Welt (wie das ‚Wort vom Kreuz’) um seine ganze Wirkung gebracht.
Als ob da jemand mit „Zoom-Effekt“ sagen wollte: „jetzt höre doch dieses Mal genau hin“. Man hat dann nicht die Macht, von sich aus zu sagen „Interessiert mich jetzt nicht“. Sonst würde einem vielleicht etwas entgehen, was zwischen den Zeilen wichtig ist.
Manchmal braucht Gott Zeit, um sich bei uns Gehör zu verschaffen. Er tut es eben nicht mit Gewalt; es sei denn, er läßt einen Saulus vom Pferd stürzen und mit Blindheit schlagen, um ihn dann als Paulus wieder aufstehen zu lassen, um ihm das rechte Verständnis für sein Wort zu geben, auch im Lied.