25.04.2026
Gedanken zur Woche - Jubilate

Wann ist ihnen zum Jubeln zumute? Was ist eigentlich Jubel, wie macht man das und bei welcher Gelegenheit? Und mit wem?

Da wir wahrscheinlich alle nicht ständig am Jubeln sind, kann man diese Fragen schon mal stellen.

Wann haben sie, wann habe ich das letzte Mal gejubelt, wie hat sich das angefühlt?

Ich bin skeptisch gegenüber dem Jubel der Massen, das ist mir zu laut, oft zu unreflektiert. Ich bin skeptisch gegenüber dem Jubel der Massen, der die Falschen bejubelt- immer wieder in der Geschichte ist das passiert und auch heute ist es noch so- es gibt eine Art Jubel, für den man sich im Nachhinein nur noch schämen kann. Manchmal lange. Da wurden und werden die Falschen hochgejubelt. Trotzdem: so ein gemeinsamer Jubel im Fußballstadion oder bei einem Kinzert: das hat schon was. Die Alltagssituationen sind das aber eher nicht. Und schon der alte Schlager weiß: „Jubel, Trubel, Heiterkeit ist nicht das ganze Leben…“

Was ist eigentlich Jubel? Auf jeden Fall etwas, das aus vollem Herzen kommt und das muss nicht immer laut sein. Vielleicht ist es manchmal so, wie es der gerade 70 Jahre alt gewordene Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Sekundenglück“ beschreibt: „Und du denkst dein Herz schwappt dir über, fühlst sich vom Sentiment überschwemmt: es sind die einzigartigen Tausendstel-Momente, das ist was man Sekundenglück nennt.“

Ja wenn das Herz überschwappt: dann kann, dann muss man jubeln. Der Jubel kommt ganz unterschiedlich daher, laut oder leise kann er sein, aber das Herz, das muss überschwappen. Und das hat etwas mit Glück zu tun.

Der kommende Sonntag heißt „Jubilate“, jubelt! Er ist einer der fröhlichen Sonntage nach Ostern, die das Leben feiern. Der 66. Psalm, der zu diesem Sonntag gehört, beginnt mit den Worten: „Jauchzt Gott, alle Lande“.

An diesem Sonntag Jubilate habe ich Goldene Konfirmation. Abgesehen von meinem Erstaunen dass die Konfirmation tatsächlich schon 50 Jahre her ist und ich mich eigentlich gar nicht so alt fühle wie ich es offensichtlich bin, finde ich die Goldene Konfirmation am Sonntag Jubilate total passend. Man sagt ja auch „Jubelkonfirmation“. Eigentlich steckt in deisem Wort gar nicht das Wort „Jubel“, sondern „Jubiläum“, aber aus der Jubiläumskonfirmation ist dann die Jubelkonfirmation geworden und das hat einen Sinn. Wir haben doch Grund zum Jubel über so viele geschenkte Jahre mit allem Schönen und Schweren, Grund zur Dankbarkeit und zur Freude. Wird es mir gelingen, am Sonntag zu jubeln? Wird mein Herz überschwappen? Oder werde ich einfach dankbar und zufrieden mit den anderen in der Kirchenbank und später beim Mittagessen sitzen? Das wäre ja auch schon was.

Herzlich grüßt sie ihre Barbara Fischer, Pastorin i.R.