29.08.2026
Gedanken zur Woche - Höhepunkte

Was wäre unser Leben ohne gewisse Höhepunkte, auf die man hinlebt und sie auch unbedingt erwartet? Wir lebten dann nur noch einen grauen Alltag, der uns die Freude am Leben nehmen kann. „Wann habe ich denn endlich wieder Geburtstag?“, fragt das Kind. „Wann heiraten wir denn endlich?“, fragt die Braut ihren Zukünftigen – oder umgekehrt. Ein alter Philosoph sagte einmal: „Ein Leben ohne Feste ist wie ein langer Weg ohne Wirtshäuser.“  – Übersetzt könnte man sagen: Was wäre das Leben ohne Feste, ohne Höhepunkte. Wir, die Kirchgemeinde von Rudolstadt-Schwarza, feiern am Sonntag, den 30. August den 60. Weihetag unserer Kirche. Nach dem Umbau einer Scheune vor über 60 Jahren hat die Gemeinde ein zu Hause gefunden, mit dem sie sehr zufrieden ist. In all den vergangenen Jahren hat sie sich zu einer stabilen „Pfarrfamilie“ entwickelt. Und eine Rückschau lässt uns auch immer wieder erkennen, dass es in all den Jahren nicht ständig bergauf ging. Enttäuschungen machten sich hin und wieder breit bis zu Resignationen bei dem einen und manchem anderen. Und dann waren es wieder Ereignisse, die man erwartete und feierte. Die kirchlichen Hochfeste, Jubiläen, Kinderwochen und Gemeindefeste u.v.a.m. trugen dazu bei, daß wir zusammen blieben. Mir erscheint es immer wieder wie ein kleines Wunder, daß unsere Gemeinde noch existiert – trotz des Rückgangs auf allen Ebenen (fehlende Kinder und Jugendliche, Einschnitte durch die Coronazeit, Kirchenaustritte usw.). – Ja, eigentlich könnte man an den gegenwärtigen Zuständen in unserer Welt verzweifeln. Aber Verzweiflung und Resignation sind kein guter Weg. Als eine „kleine Herde“ – auch für die Zukunft hat Jesus selbst seine Kirche bezeichnet. Und er hat uns mit seiner Botschaft auch Hoffnung und Zuversicht mitgeben wollen. Die können wir in der gegenwärtigen Zeit gut gebrauchen. Und damit haben wir in den vergangenen Jahrzehnten uns „über Wasser“ gehalten, zu DDR-Zeiten und auch jetzt nach der Wendezeit. Freilich, unsere Kirchen sind weniger attraktiv, sowohl auf katholischer wie auf evangelischer Seite. Und doch haben wir noch etwas zu geben, nicht nur bei Beerdigungen.  Dabei müssen wir aus einem immerwährenden grauen Alltag aussteigen und Höhepunkte neu entdecken. Unser Glaube ist so reich – wir müssen diesen Reichtum nur finden. Das braucht auch ein gewisses Durchhaltevermögen, wie es Sportler haben können, wenn sie nach einer längeren Strecke als Sieger ihr Ziel erreichen wollen. Ein Zwischenspurt kann da sehr behilflich sein.- Nun sind wir bis zur 60 –Jahresmarke durchgestartet. Dafür sind wir dankbar. Hier setzen wir uns aber nicht zur Ruhe. Die 70-Jahresmarke ist sicher unser Ziel. Mal sehen, wer dann noch mitläuft. Ich wünsche all unseren christlichen Gemeinden in unserem Land, Mut, weiterzulaufen und an den nächsten „Höhepunkten“ nicht vorbeizulaufen. Es lohnt sich. 

 

Pfr. i. R. Joachim Vockrodt , Rudolstadt-Schwarza