24.01.2026
Gedanken zur Woche - Die Narren sind los

Wir leben schon mitten in der Faschingszeit. Eine Hochzeit für die Narren in unserem Lande.  Nun gehört ja ein Narr zu einer besonderen Berufsgruppe, die man nicht unterschätzen sollte. Er ist kein Blödmann. Nein. Echt guter Narr ist ein Mensch mit Herz, Verstand und Humor. Er kann Dinge verdrehen, auf den Kopf stellen, durcheinanderbringen, zur allgemeinen Erheiterung beitragen, und auf keinen Fall jemanden verletzen. Ein Narr ist in der leichteren Muse ein Schwerarbeiter, dem es darauf ankommt, die Grenzen von Anstand, Moral  und unbeschwerter Freude in rechter Weise zu beachten. Ein rechter Narr ist ein „weißer Mensch“. Wenn Peinlichkeiten auftreten, dann sollte er lieber die Bühne verlassen. Darum fällt es uns auch nicht immer ganz leicht, bunte Abende zu gestalten.  Die kann man nicht einfach mal so nebenbei durchziehen. Predigten scheinen mir da immer viel einfacher zu erstellen – als einen guten Faschingsabend mit der Gemeinde. Nun jammern viele in unserer Gegend, dass wir ja keine Faschingstradition haben und das Ernstsein uns doch viel einfacher fällt. Ich habe immer das Gefühl, dass die Evangelisten Jesus in eine sehr ernsthaft pastorale Ecke gestellt haben. Und so sind wir ernsthaften Christen auch zum Großteil. Wir freuen uns oft zu wenig und feiern diese Freude auch nicht richtig. Und dabei spricht doch Jesus so oft vom himmlischen Hochzeitsmahl – bei dem es sicher nicht tierisch ernst zugehen muss. Wenn wir an diesen himmlischen Feierlichkeiten einmal teilnehmen wollen, dann sollten wir dafür schon mal in dieser Welt üben. Und das Kirchenjahr möchte uns dazu animieren. Damit wir in der Fastenzeit nicht völlig “verernsten“, sollten wir uns davor erst einmal richtig freuen – zum Narren werden. Vielleicht haben wir die Begabung zum „echten Narren“ doch in uns. Leider wird das echte „Narrenbild“ von den vielen bösartigen, falschen und gefährlichen „Narren“ zerstört. Die haben nur ihre eigenen Interessen im Kopf, sie wollen die Größten sein, die absolute Macht haben und mit vollem Beifall überschüttet werden. Sie können letztlich eine Weltordnung vollends auf den Kopf stellen, Menschenrechte zerstören und ein absolutes Chaos anrichten. Vielleicht haben Sie in einem filmischen Ausschnitt schon einmal gesehen die Parodie von Charlie Chaplin, in der er Hitler darstellt, der mit der Weltkugel wie mit einem Luftballon spielt. Und Ähnliches geschieht immer wieder  - auch heute.

Narrenfreiheit hat sicher auch seinen Platz in den Allgemeinen Menschenrechten –aber nur für echte  Narren und nicht für „Wölfe im Schafspelz“. Die haben weder auf einer Kleinkunstbühne noch auf der Weltbühne etwas zu suchen.

Und Ihnen wünsche ich eine frohe Faschingszeit. Seien Sie ein echter Narr.

Pfarrer Joachim Vockrodt in Rudolstadt-Schwarza