15.08.2026
Gedanken zur Woche - Angedacht
Urlaubszeit ist Reisezeit und, wie heißt es so schön: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Meine Frau und mich zog es diesmal für ein paar Tage in ein von uns noch nicht entdecktes Land, in die Lausitz zu den Sorben. Ein Sportkamerad fragte: Da fährt man zum Urlaub hin? Krabat, Lausitzer-Seenplatte, Hoyerswerda, Braunkohltagebau, Gundermann, Bautzen (II), Görlitz: diese Namen hatten wir schon mal gehört, doch sie entzogen sich unserer Vorstellung, und das wollten wir ändern. Schon am ersten Tag wurden wir von einem schweren Vorurteil befreit. Hoyerswerda! Was muß das für eine kaputte Stadt sein... Doch weit gefehlt! An einem herrlichen Sommernachmittag liefen wir von unserem Hotel am Stadtrand nur durch Grün in die Altstadt. Und diese präsentierte sich uns als eine wirklich schnuckelige, süße und super aufgeräumte welche mit einem tollen Italiener im Ratskeller. Uns blieb die Spucke weg. So etwas hatten wir nicht erwartet. Auch die Neustadt zeigte sich mit Blocks in einem super Zustand und gepflegtem Grün. Keine Schrottimmobilien, kein Leerstand weit und breit. Chapeau! Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt genauer, „Lausitz-Park“, Schloß-Museum, Zoo und Zusemuseum. Wirklich sehenswert. Im Schloß-Museum sahen wir dann doch noch die Szenen, die so einen schwarzen Schatten in unserer Erinnerung hinterlassen hatten: die fürchterlichen Tage aus dem Jahr 1991, als Menschen ihrer Wut und ihrem Zorn freien Lauf ließen. Als Lehrtext für den 11. Sonntag nach Trinitatis heißt es aus dem 1Thess 5,9: „Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unseren Herrn Jesus Chistus.“ Von dieser Seligkeit, dem Frieden und der inneren Ruhe, scheint sich nicht nur unsere Gesellschaft im Moment immer weiter zu entfernen. Meine Frau und ich, wir waren selig. Wir ließen den lieben Gott einen guten Mann sein, genossen Bautzen und Görlitz, erlebten die Krabat-Saga in der Mühle am Schwarzkollm sowie einen Tag im Braunkohletagebau Welzow-Süd inklusive des Kraftwerkes „Schwarze Pumpe“. Wir durften bei herrlichem Wetter auf den wunderbaren, schattigen Alleen der Lausitz fahren und jetzt, nach der Reise, kann ich nur bestätigen: Oh, ja, da fährt man zum Urlaub hin, in die Lausitz zu den Sorben!
Weiterhin eine schöne Urlaubszeit,
bleiben Sie behütet,
Michael Ehrlichmann, Pfr.i.R.