31.01.2026
Gedanken zur Woche

Wie ernüchternd zu lesen, dass OTZ-Leser die Gedanken der Woche von Pfarrern und Pfarrerinnen kaum interessieren. Wie kann man sich darüber freuen? Doch freuen will ich mich darüber, dass eine Veröffentlichung weiterhin auf der Website des Kirchenkreises möglich ist und es an unseren „missionarischen Adern“ liegt, die Beiträge auch einem säkularen Leserkreis weiterzuleiten.

Der Monatsspruch für Februar fordert zur Freude und Dankbarkeit auf. Der Vers 5. Mose 26, 11 steht in einem sehr feierlichen und geschichtsträchtigen Kontext. Er ist der krönende Abschluss einer liturgischen Vorschrift für das Volk Israel, die für die Zeit gilt, wenn sie endlich im Gelobten Land angekommen sind. „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ lädt zu einer bewussten Entscheidung zur Erinnerung ein. So wie die Israeliten sich an Ägypten erinnerten, um die Ernte zu schätzen, dürfen wir uns an Gottes Hilfe in der Vergangenheit erinnern, um über die „kleinen Ernten“ des Alltags froh zu werden – selbst wenn unsere großen Vorsätze  für das neue Jahr gerade nicht aufgehen. 

In einer Welt, die oft hektisch oder sorgenvoll ist, wirkt so ein Zuspruch wie ein kleiner Anker für die Seele. Es ist eine Einladung, heute ganz bewusst auf die „kleinen Wunder“ im Alltag zu achten – sei es ein gutes Gespräch, die Gesundheit oder einfach ein friedlicher Moment.

Wenn wir an unseren eigenen Ansprüchen scheitern, geraten wir leicht in eine Spirale der Unzufriedenheit. Der Vers aus 5. Mose 26,11 ist wie ein Korrektiv für diesen „Februar-Blues“. Er sagt nicht: „Freue dich erst, wenn du perfekt bist“, sondern er sagt: „Freue dich über das Gute, das der Herr dir gegeben hat.“ Vielleicht ist der Februar nicht der Monat der großen Disziplin, sondern der Monat der großen Wertschätzung für das, was trotz unserer Unvollkommenheit alles da ist. Vielleicht ist das ein guter Moment, heute einmal ganz bewusst drei Dinge aufzuzählen, die in deiner Familie gerade gut laufen – völlig unabhängig davon, ob die gemachten Neujahrsvorsätze funktionieren oder nicht. Gott möchte nicht, dass unsere Freude von unserem Erfolg abhängt, sondern von SEINER Beständigkeit. Der Wille Gottes ist es, dass wir die Dankbarkeit als eine Art geistliche Atemschutzmaske tragen – besonders dann, wenn die Luft im Alltag, wie im grauen Februar mal dünn wird.

In diesem Sinne

Gabriele Fischer-Schlüter / Gemeindereferentin Freikirche Rudolstadt